13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen in den Weltmeeren – pro Jahr

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Das Meer ist eine Müllkippe, Plastikabfälle sind ein großes Umweltproblem: Der Verbrauch von Tragetaschen und Trinkflaschen aus Kunststoff sowie das Einkaufsverhalten tragen dazu bei.

Millionen Müllteile wirbeln durch die Ozeane, die sogenannten Müllstrudel – am bekanntesten ist der „Great Pacific Garbage Patch“ im Nordpazifik. Laut NABU hat der Garbage Patch inzwischen die Größe Mitteleuropas erreicht. Er setzt sich aus Plastiktaschen und -flaschen zusammen, aber auch Deckeln oder Kaffeebechern. Den Great Pacific Garbage Patch stellen sich viele Menschen als eine Art Teppich vor – doch mit dem bloßen Auge lässt sich das Plastik kaum erkennen, da es sich um winzig kleine Plastikteile handelt. Vielmehr drängt sich der Vergleich zu einer trüben Suppe auf. Auch auf Satellitenbildern ist der Patch schwierig zu erkennen.

Das United Nations Environmental Programme schätzt, dass mehr als zehn Millionen Tonnen als Müll pro Jahr in den Ozeanen landen. Eine Forschungsgruppe um die US-amerikanische Umweltingenieurin Jenna Jambeck von der Georgia University schreibt im Februar 2015 im Fachmagazin Science von 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll, die jährlich den Weg in die Ozeane finden. Die 192 Länder produzierten im Untersuchungsjahr 2010 insgesamt 275 Millionen Tonnen Plastikmüll.

Pulverisierung des Plastiks

Laut Naturschutzbund (NABU) gelangen 80 Prozent des Mülls vom Land in die Ozeane, durch Abwässer, küstennahen Tourismus oder illegale Entsorgungen. 20 Prozent des Plastikmülls entstehen direkt auf dem Meer: durch Schiffe, Fischerei oder die Industrie in Form von Öl- und Gasplattformen, aber auch Forschungszentren oder Aquakulturen zählt der NABU dazu.

Die Folgen betreffen Umwelt und Menschen: Giftige Abbauprodukte schädigen Ökosysteme, Tiere verheddern sich im Müll, verwechseln ihn mit Nahrung, fressen ihn und verhungern schließlich. UV-Strahlen, Salzwasser und die Reibung durch Wellen pulverisieren die Plastikpartikel zu immer kleineren Teilchen. Diese winzigen giftigen Plastikteilchen steigen über das Plankton in der Nahrungskette immer weiter hinauf und gelangen mit Giftstoffen wie Bisphenol A und Weichmachern auch in Lebensmittel des Menschen.

Müllsammeln, Recycling, Reduktion – was lässt sich tun?

Strandsäuberungen und Initiativen wie Fishing For Litter helfen, wer allerdings die Müllmillionen aus dem Wasser fischen will, hat nicht nur eine extrem große Aufgabe zu bewältigen. Beim Great Pacific Garbage Patch beispielsweise ist das Problem, dass kein Staat die Verantwortung übernimmt oder sich um die Reinigung und das Einsammeln kümmert. Ein anderer Aspekt ist, dass das Müllsammeln in den Meeren auch Ökosysteme wie etwa Korallenriffs beschädigt. Effizienteres Recycling und reduzierter Plastikverbrauch wären Alternativen.

Der Blick auf den Plastikmüll zeigt, dass er zum Teil aus Plastiktüten besteht. Eine Tüte braucht zehn bis 20 Jahre, bis sie zerfällt. Etwa 200 Plastiktüten verbraucht ein EU-Bürger durchschnittlich im Jahr. Die Berliner Zeitung berichtete Anfang März 2015 von 30.000 Plastiktüten, die in Geschäften an Kunden ausgegeben werden – pro Stunde. Als Einwegtüten landen sie dann schnell im Müll. Das Umweltbundesamt fordert deshalb eine Kostenpflicht für die Tüten, die auch für Mode- und Elektrogeschäfte sowie Kaufhäuser gelten soll. Auch die Umwelthilfe rechnet dann mit einer Veränderung des Kaufverhaltens.

Andere Länder, andere Sitten – im Umgang mit Plastiktüten

Natürlich kann jeder dazu beitragen, Müll zu vermeiden, indem er weniger Plastikprodukte kauft. Allerdings scheint zusätzlich ein größerer Maßstab angebracht, bei dem Regierungen und Unternehmen verantwortlich agieren müssen, Anreize setzen und klare Regeln vorgeben.

Auch wenn Deutschland eine relativ geringe Zahl für den Verbrauch von Plastiktüten aufweist (71) – andere Länder sind weiter als Deutschland: Irland, Dänemark oder Belgien haben Abgaben erhoben; Italien hat biologisch nicht abbaubare Plastiktüten seit 2011 verboten und Frankreich sogar alle Einwegtüten. Die Erfahrungen in Irland zeigen, dass die Abgabe pro Plastiktüte (22 Cent) eine deutliche Reduktion des Verbrauchs bewirkt – von 328 auf 21 Stück pro Jahr und Bürger.

EU und Unternehmen: Wie sich Plastikmüll reduzieren lässt

Neben den Verbrauchern sind auch die Unternehmen gefragt. Sie können sich freiwillig verpflichten, den Verbrauch von Tüten zu senken und das Aufkommen von Plastikmüll zu vermeiden. Die Drogeriekette dm bietet zum Beispiel ihre kleinen kostenlosen Plastiktüten an den Kassen seit dem Frühjahr 2015 nicht mehr überall an. Den 1600 Filialen hat es die Zentrale freigestellt, ob sie die Tüten weiter bereitstellen wollen. Diese Maßnahme folgt damit der Richtung, welche die Europäische Union einschlägt und das EU-Parlament Ende April beschlossen hat: Bis 2025 soll der Verbrauch pro Bürger von derzeit 200 Tüten auf 40 sinken.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Waren anzubieten, die ohne Einwegverpackungen auskommen. In diesem Fall bringen die Kunden ihre eigenen Taschen oder Behälter mit und vermeidet so weiteren Plastikmüll. Aber das wird nicht für jedes Produkt praktikabel sein – man denke etwa an Fernseher – und längst gibt es noch nicht überall Läden, in denen man unverpackte Nudeln kaufen und Spülmittel selbst abfüllen kann.

Das Lebensalter einer Plastikflasche: bis zu 450 Jahre

Ein anderer Teil des Plastikmülls sind Getränkeflaschen aus Plastik. Das Problem ist deren lange Lebenszeit. Laut Umweltbundesamt verrottet eine Plastikflasche erst in 450 Jahren. Die Getränkebehälter bleiben also lange Zeit erhalten, auch deshalb verursacht jeder Kauf einer PET-Flasche eine Belastung für die Umwelt. Und auch deren Produktion, das spätere Recycling oder der Transport verursachen einen hohen Energieverbrauch.

Leitungswasser zu trinken wäre da eine echte Alternative. Besonders in Deutschland, wo die Wasserqualität sehr gut ist und sogar zum Teil täglich kontrolliert wird – anders als beim Flaschenwasser. Darauf haben die Stiftung Warentest in ihren Tests 2011 und 2012 sowie zuletzt das Umweltbundesamt Mitte Februar 2015 hingewiesen. Das Trinkwasser wird ins Haus geliefert und ist außerdem günstig (ein Zweipersonenhaushalt zahlt im Schnitt 27 Cent für 121 Liter Trinkwasser pro Tag und Person). Petra Dobner weist in ihrem Buch „Quer zum Strom“ neben solchen Angaben auch auf eine Berechnung des amerikanischen Pacific Institute hin: Demnach muss für die Herstellung, Lagerung, den Transport und die Reinigung pro Liter Flaschenwasser ein Viertelliter Erdöl verwendet werden.

Umweltfreundlich trinken: ohne Plastikmüll

Wer nun Quellwasser oder Leitungswasser trinkt, kann sich dieses in umweltfreundliche Flaschen füllen – die dabei auch nett aussehen. Wie etwa die Flaschen von Emil, Soulbottles oder auch die Trinkflaschen von Retap aus Dänemark. Letztere beispielsweise bestehen aus Borosilikatglas, dessen besondere Eigenschaften Temperaturbeständigkeit und chemische Neutralität sind. Zusammen mit dem Deckel aus einem Thermoelastomer ergibt sich eine umweltfreundliche Alternative zur Plastikflasche. Neu ist die Idee der wiederverwendbaren Flaschen natürlich nicht. Und auch die Modelle von Retap gibt es bereits seit dem Jahr 2011, aber dafür sind diese aber ausgezeichnet: mit dem red dot design award.

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About Author

Interessiert sich für Stadtkultur und verfolgt den Wandel in der Arbeits- und Medienwelt. Schaut und spielt gerne Basketball. Arbeitet beim Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Kommunikation.Schreibt bei Medium als @klippklar.

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