Die Bundesliga-Saison 2014/15 ist beendet und der FC Bayern hat sich souverän die 25. Meisterschaft gesichert. Doch wie sähe die Tabelle der Fußball-Bundesliga aus, wenn es um die Energiebilanz ginge, statt um Siege und Niederlagen? Diese Frage stellte sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Kirscher und erstellte die Erneuerbare-Energien-Bundesligatabelle. Und siehe da: Der FC Bayern schafft es hier nicht einmal auf die Europa-League-Plätze und landet nur auf Rang 11.

Für die Ökostrom-Bundesligatabelle befragte das Team von Kirscher bei den 18 Erstliga-Clubs nach, wie es um die Nutzung erneuerbarer Energien in ihren Vereinen bestellt ist. Zusätzlich wertete man Informationen der Initiative Nachhaltigkeit im Fussball und den vergangenen Bundesliga Umweltreport aus.

Am Ende holt Werder Bremen ähnlich souverän die Öko-Meisterschale, wie es Bayern München in der sportlichen Punktetabelle gelang. Und auch die nächsten Plätze sorgen für Verwunderung: Stuttgart schafft es auf Rang zwei, Hoffenheim wird dritter. Der Tabellenkeller mit dem Hamburger SV und Hannover 96 erinnert schon eher an die sportlichen Ergebnisse der Saison. Hier die ganze Tabelle:

Für die Tabelle wurden drei Einzelwerte ermittelt: Die „Erneuerbare-Energien-Anlagen und KWK / BHKW“ (60 %) erfassen die kWh-Jahresleistung von Photovoltaik– und KWK/BHKW-Anlagen der Vereine. Unter „Effizienz“ (20 %) werden Maßnahmen der Vereine einberechnet, die auf die Einsparung von Strom und den Ressourcen zielen. Die Punkte bei „Ökostrom“ (20 %) schließlich bewerten, wie hoch der Ökostromanteil beim eingekauften Strom ist. Wenn keine Informationen vorlagen, wurden jeweils null Punkte vergeben.

Detaillierte Informationen / Quelle: Oliver Krischer / Grüne Bundestagsfraktion (.PDF)

Der SV Werder Bremen hat sich die Meisterschaft redlich verdient. In der Hansestadt erwirtschaftet eine mehr als zwei Fußballfelder große Solaranlage jährlich zwischen 750.000 und 800.00 kWh (zum Vergleich: ein 3-Personen-Haushalt verbraucht im Schnitt etwa 4.000 kWh im Jahr). Dazu kommen eine KWK-Anlage und 100 Prozent Ökostrom.

Doch auch anderswo wird Beachtliches geleistet. So übertrifft etwa die Solaranlage der TSG Hoffenheim (Platz drei) die der Bremer und produziert beachtliche 2,4 Millionen kWh im Jahr. Das Überraschungsteam FC Augsburg kann das weltweit erste Sportstadion mit einer CO2-neutralen Energiebilanz  vorweisen. Und Borussia Dortmund wirbt mit der Ökostrom-Kampagne „Strom09“ auch bei den eigenen Fans für erneuerbare Energien.

Insgesamt erscheinen die Bemühungen der Bundesliga-Clubs in Punkto erneuerbare Energien durchaus lobenswert. Auch Vereine im Tabellenkeller zeigen sich bemüht. Zudem wird mancher Club durch fehlende oder unvollständige Angaben im Ranking nach unten gezogen.

Gutes Vorbild, guter Ansporn

Natürlich ist die von Oliver Kirscher erfasste Öko-Tabelle der Bundesliga zu einem gewissen Teil beliebig in ihren Kriterien, nicht vollständig in der Datengrundlage und nicht zuletzt eine geschickt verpackte Werbeaktion für die eigenen Parteiziele. Doch unabhängig davon ist sie eine hilfreiche Bestandsaufnahme, die zeigt, wie die einzelnen Bundesligavereine mit dem Thema erneuerbare Energien umgehen. Denn Fußballer und Vereine haben eine Vorbildfunktion, die sie neben dem Fairplay auf dem Platz auch in anderen Bereichen in die Pflicht nimmt – sei es etwa bei der Jugendarbeit oder eben beim Thema Energie. Die Ökostrom-Bundesligatabelle und ähnliche Auflistungen zeigen ansehnlich, welche Vereine hier bereits beispielhaft handeln und welche noch Nachholbedarf haben – und geben damit hoffentlich allen Beteiligten einen Ansporn, auch hier nach der Meisterschaft zu streben.

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Manuel Medicus

Kam über die Auseinandersetzung mit Peak Oil zu den Themen Ressourcenknappheit, Energiewende und Transition Town Movement. Schreibt sonst für einen Technikverlag über IT-Themen und Mobile Computing.

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