Deep Ecology oder hat die Natur einen Wert an sich?

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Teil 3 der Serie „Ökologische Positionen“

Wer die Debatten zu Umwelt-Themen und Umweltschutz verfolgt oder die Diskussionen über Natur und Kultur, stößt dabei immer auf Positionen, die hinter dem Gesagten oder Geschriebenen stehen. Diese Haltungen sind politischer, soziologischer, ökonomischer oder philosophischer Art. Sie zeigen an, wie sich der Mensch gegenüber und in seiner Umwelt verhält oder auch, welche Bedeutung Begriffe wie „Natur“ haben.

Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Positionen der Serie schreibt die „Deep Ecology“ (DE) der Natur einen eigenen Wert zu – unabhängig vom Menschen. Dies ist ein gewaltiger Unterschied. Damit wendet sich diese Haltung gegen eine Instrumentalisierung der Natur, wie es die Cornucopians oder zum Teil die Gruppe der „Umweltbewussten“ propagieren.

Der Wert der Natur

Die Umwelt ist danach eben nicht ein Mittel zu Zweck, keine Rohstofflager und kein „Garten Eden“, den man einfach so bewirtschaften oder zum eigenen Nutzen ausräumen kann. Vielmehr rückt die Denkrichtung der Deep Ecology den Menschen aus dem Zentrum der Welt und stellt ihn hierarchisch tiefer. Aus dieser Herangehensweise haben sich Gruppen gebildet, die radikalere Einstellungen vertreten, was den Umgang mit Umwelt und „Umweltverschmutzern“ angeht. Dazu zählen etwa die „Friends of the Earth“ oder „Earth First!“, die offensiven Aktionen befürworten und auch umsetzen.

Radikale Positionen bis zur Misanthropie-Falle

Betrachtet man nicht nur praktische Handlungen, sondern auch die zugrunde liegenden Werte und Ansichten, dann werden die radikalen Positionen der Deep Ecology deutlich. So tritt diese etwa dafür ein, das Bevölkerungswachstum zu stoppen, da dieses großen Anteil an der Zerstörung der Umwelt (bspw. Abholzung der Welt, Hunger, Treibhaus-Effekt, etc.) hat.

Was ist der Wert von schneebedeckten Bergen? Foto: CC0 via Pexel.

Was ist der Wert von schneebedeckten Bergen? Foto: CC0 via Pexel.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Deep Ecology eine umfassendere Perspektive einnimmt, indem sie sogenannte entwickelte Länder in den Blick rückt genaus wie auch Entwicklungsländer. Es belegt jedoch ebenfalls, wie leicht es ist, in eine potenziell menschenfeindliche Haltung zu rutschen, wenn das Bevölkerungswachstum in dieser Position als alleiniges Argument eingesetzt wird und in den Vordergrund rückt. Diese zumindest zum Teil innewohnende misanthropische Seite der Deep Ecology ist daher auch ein großer Kritikpunkt an dieser Haltung.

Alles in der Natur hat einen Wert – und damit nichts

Das grundsätzliche Infragestellen der Hervorhebung des Menschen, seiner Bedürfnisse und sein damit zusammenhängender Umgang mit der Umwelt – also ein anthropozentrischer Blick auf die Welt – ist die Stärke dieser Position, da sie die Stellung des Mensch relativiert und eine andere Perspektive einnimmt.
Und gleichzeitig ist diese Position aber auch ihre Schwäche. Denn wenn alles einen Wert in der Umwelt hat, wie Flüsse, Steine, Landschaften, aber auch soziale Systeme (und letztlich die Umwelt selbst), dann hat nichts einen Wert. Unterscheidungen und Entscheidungen werden, auf die Spitze getrieben, somit überflüssig. Wer mag zum Beispiel dann noch beurteilen, ob ein Mensch „wichtiger“ ist als eine Bakterie oder eine seltene Tigerart (oder umgekehrt), die auszusterben droht? Dieses ist das philosophische Dilemma dieser ökozentrierten Position.

Wie verhält sich der Mensch zu einer Pflanze? Foto: CC0 via Pexel.

Wie verhält sich der Mensch zu einer Pflanze? Foto: CC0 via Pexel.

Jedoch existiert nicht nur diese Extrem-Haltung in der „Deep Ecology“, vielmehr sehen Vertreter gemäßigter Strömungen innerhalb der DE den Ökozentrismus als Orientierung und erlauben sich durchaus die Bedürfnisse des Menschen höher zu bewerten gegenüber anderen Dinge oder Lebewesen (vielleicht auch, weil sie Kompromisse eingehen müssen und in der Praxis nicht Gefahr laufen wollen, in die Misanthropie-Falle zu geraten).

Entwicklung der Deep Ecology aus Religionen und spirituellem Denken

Die Ursprünge der Deep Ecology können sowohl in der christlichen Lehre als auch im östlichen Denken ausgemacht werden, wie im Buddhismus oder Taoismus, aber ebenso in der Kultur der amerikanischen indigenen Bevölkerung oder „primitiven“ Religionen. Interessanterweise sind viele Denker diese Position keine Ökologen. Im Diskurs bedeutet dies häufig, dass wissenschaftliche Positionen als Teil des Problems gesehen werden, da sie den Gedanken eines Managements der Umwelt enthalten – eine Herangehensweise, die einer Instrumentalisierung entspräche.

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About Author

Timo Klippstein

Interessiert sich für Stadtkultur und verfolgt den Wandel in der Arbeits- und Medienwelt. Schaut und spielt gerne Basketball. Arbeitet beim Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Kommunikation.Schreibt bei Medium als @klippklar.

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