Die Umwelt schützen: zwischen Besorgnis und Bestandswahrung

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Teil 2 der Serie “ Ökologische Positionen“

Wer die Debatten zu Umwelt-Themen und Umweltschutz verfolgt oder die Diskussionen über Natur und Kultur, stößt dabei immer auf Positionen, die hinter dem Gesagten oder Geschriebenen stehen. Im zweiten Teil dieser losen Serie beschäftige ich mich mit der Position jener Menschen, die ich hier als „Umweltschützer“ oder „Umweltbewusste“ bezeichne. Sie begrüßen Umweltschutz, lehnen aber grundlegende, gesellschaftliche Änderungen ab, die vor allem ihren Lebenstandard ins Wanken bringen. Haltungen wie diese sind politischer, soziologischer, ökonomischer oder philosophischer Art. Sie zeigen an, wie sich der Mensch gegenüber und in seiner Umwelt verhält oder auch, welche Bedeutung Begriffe wie „Natur“ haben. Im ersten Teil der Serie ging es um die Cornucopia.

Sich um die Umwelt zu sorgen – das nehmen viele Menschen für sich in Anspruch. Auch, dass sie die Umwelt schützen, würden wohl einige Menschen von sich sagen. Die Verschmutzung der Meere oder der Klimawandel geben dazu auch genug Gründe. Verbesserungen in Sachen Umweltschutz und Umweltbewusstsein bewertet diese Gruppe von Menschen positiv, jedoch werden sie oft nicht selbst aktiv. Vielmehr wenden sie sich dabei an Institutionen – kurz gesagt: Regierungen, Verwaltungen oder auch Nicht-Regierungsorganisationen sollen sich darum kümmern. Häufig werden dabei auch Lösungen technischer Art begrüßt.

Lebensstandard versus Reformen

Gleichzeitig möchte diese Gruppe, die ich hier die „Umweltbewussten“ nenne, trotz ihrer Einsicht, dass es nötig ist, die Umwelt zu schützen, nicht auf ihren erworbenen Lebensstandard verzichten. Ein grundlegender sozio-kultureller Wandel ist dabei ebenso wenig im Fokus dieser Gruppe wie einschneidende Reformen zugunsten der Umwelt. Diese Haltung produziert Widerstand – vor allem von Seiten der radikaleren Gruppen, denen das Engagement nicht weit genug geht. In der Diskussion ist daher auch vom „oberflächlichen“ oder „seichten“ Umweltschutz oder Umweltbewusstsein die Rede.

Auf dem Foto sind vier Behälter abgebildet, die zum Sammeln von Stoffen zur Wiederverwendung genutzt werden.

Mitmachen leicht gemacht: Recycling ist gesellschaftlich etabliert und „grüner“ Mainstream. Foto: epsos, CC BY 2.0.

Folgendes Beispiel verdeutlicht diese Haltung. Die „Umweltbewussten“ recyclen Produkte und kaufen Bio-Lebensmittel, fördern also durchaus wichtige Teile der Umweltbewegung. Größeres persönliches Engagement findet sich aber eher selten. Extremer ausgedrückt: Umweltschutz ja, aber in Maßen und mit angezogener Handbremse. Greg Garrard nennt in seinem Buch „Ecocriticism“ als weiteres definierendes Beispiel für die Gruppe, deren Haltung zur steigenden Bevölkerungszahl:

„Their hopes for curbing population growth, wether in rich or poor countries, would lie in family-planning campaigns rather than, say, state-sponsored sterilisation.“

Von einem philosophischen Standpunkt aus betrachet, sehen die „Environmentalists“ trotz massiver Umweltprobleme das Modell des Westens mit seinen Traditionen (zum Beispiel liberale Demokratie, Menschenrechte, wissenschaftlicher Fortschritt, Christentum) als Erfolgsmodell. Einen großen Teil der Menschen, die in  den sogenannten entwickelten (westlichen) Ländern leben, müsste man danach zu dieser Gruppe zählen.

Die Erfolge des Mainstreams

Bei aller Kritik: Es gibt eindeutige Erfolge, die Umwelt zu schützen und diese gehen auf den Einfluss der „Umweltbewussten“ zurück. Als Beispiel nennt Garrard die Verbreitung der  ökologischer Landwirtschaft, die von dieser Gruppe stark nachgefragt wird. Oder auch die Reduzierung von FCKW-Gase.
Insgesamt bestimmt diese Gruppe auf vielen Wegen den Umweltschutz; mal direkt, mal indirekt: von Anpassungen der Herstellungverfahren und der Vertriebswege, welche die Industrie aufgrund des Drucks der Bürger vornehmen müssen bis zum modisch gewordenen „Greenwashing“ von Unternehmen.

Die Gruppe selbst ist der Mainstream der Umwelt(schutz)bewegung. So ist diese durchaus ein Sammelbecken für unterschiedliche Strömungen. Und bietet damit als große Schnittmenge Anschluss für radikalere Gruppen und Aktivisten, die aus diesem Pool schöpfen – denn auch diese müssen auf Kompromisse setzen und befürworten mitunter etwa Recycling oder „grünen“ Konsum, um die Umwelt zu schützen. Denn wenn die radikaleren Positionen ihre Ziele im Umweltschutz erreichen wollen, müssen diese Mitte überzeugen und für sich gewinnen: sie benötigen die breite Masse der „Umweltbewussten“.

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About Author

Timo Klippstein

Interessiert sich für Stadtkultur und verfolgt den Wandel in der Arbeits- und Medienwelt. Schaut und spielt gerne Basketball. Arbeitet beim Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Kommunikation.Schreibt bei Medium als @klippklar.

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