„Feeding the Planet, Energy for Life“ ist das Motto der Expo 2015, die seit dem 1. Mai in Mailand ihre Tore geöffnet hat. Die Weltausstellung widmet sich damit thematisch einer der drängendsten Fragen der Menschheit: Wie schaffen wir es, die wachsende Weltbevölkerung gesund zu ernähren? Und wie stellen wir sicher, dass die Produktion dieser Nahrungsmittel nicht zu Lasten zukünftiger Generationen geht?

Mit ihrem Motto steht die Expo 2015 in der Tradition der vergangenen Weltausstellungen, die ebenfalls nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz thematisierten. Gesunde Lebensmittel, Welternährung für die nächsten Generationen, umweltschonende Technologien und eine  Esskultur – das alles sind Themen, bei denen sich jeder Teilnehmer gerne positiv darstellen will. Doch wie stark bröckelt dieses Image, wenn man hinter die Fassaden der glänzenden Weltausstellung sieht? Ist die Expo eine Chance, nachhaltige Themen auf die Tagesordnung zu setzen – oder ist sie eine große Farce und eine Verschwendung von Steuergeldern?

Korruption, Greenwashing und Papst-Kritik

Unerwartete Kritik an der Expo 2015 gab es von Papst Franziskus, der bei der Eröffnungszeremonie live zugeschaltet wurde. Franziskus prangerte an, die Weltausstellung selbst sei Teil einer „Kultur des Überflusses, des Wegwerfens“. Gleichzeitig mahnte er, man dürfe die „Gesichter der Hungernden“ nicht vergessen. Die Expo trage nicht dazu bei, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen oder die Nöte der Armen zu lindern. Doch tut dies der offizielle Expo-Pavillon des Vatikans? Denn für den Drei-Millionen-Bau steht der Papst selbst in der Kritik: der Pavillon sei zu teuer.

Allgemein sind die hohen Kosten der Hauptkritikpunkt vieler Expo-Gegner: Insgesamt 2,5 Milliarden Euro soll die Weltausstellung schätzungsweise insgesamt kosten, davon 1,3 Milliarden allein für die Baumaßnahmen am Gelände. Dass die organisierte Kriminalität bei dieser milliardenschweren Großveranstaltung mitverdienen will, liegt nahe. So wurde der Bau der Ausstellung schon im Vorhinein von einem Skandal um Mafia-Geschäfte und Korruption erschüttert – allen Gegenmaßnahmen zum Trotz.

Öffentliche Kritik an der Expo 2015 gab und gibt es dementsprechend zuhauf. Unter dem Slogan NoExpo formierte sich eine Protestbewegung, die vor allem die Verschwendung von Steuergeldern und Ausbeutung von Arbeitskräften anprangert. Die Expo-Eröffnung am 1. Mai wurde von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten überschattet.

Pavillon von Coca Cola auf der Expo 2015

Der Pavillon von Coca Cola auf der Expo 2015: Ein geeigneter Partner beim Thema „nachhaltige Welternährung“? Foto: Expo 2015 Milano

Zu den Kritikpunkten der Expo-Gegner zählt auch die teils zweifelhafte Wahl der wirtschaftlichen Partner und Sponsoren. In der Tat werden die beteiligten Großkonzerne wie Coca Cola, Nestlé oder McDonald’s in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als Paradebeispiele gesehen, wenn es um nachhaltige Welternährung und gesunde Lebensmittel geht. Der Verdacht auf Greenwashing mag sich aufdrängen – also der Versuch einer Firma, sich in der Öffentlichkeit als umweltfreundlicher und verantwortungsbewusster darzustellen, als es eigentlich gerechtfertigt wäre. In jedem Fall stellt sich aber die Frage, ob es nicht geeignetere Partner gegeben hätte.

Insgesamt scheint die Expo 2015 an den selben Fehlern zu kranken, wie viele Großveranstaltungen – inklusive auch der vergangenen Weltausstellungen. Ähnlich wie Olympia oder der Fußball-WM wird sie zu sehr zum Prestigeobjekt und zur Werbeveranstaltung für das Gastgeberland und auch für die ausstellenden Nationen – das eigentliche Thema tritt da schnell in den Hintergrund. Die unausweichlichen Folgen sind aufgeblasene Budgets, Korruption und Bürgerproteste.

Faszination, Motivation und die Charta von Mailand

Doch die Expo als pure Verschwendung von Geld abzutun, ist zu kurz gegriffen. Die Idee hinter einer Weltausstellung ist nicht schlecht: Mehr als 140 Nationen kommen in friedlicher Atmosphäre zusammen, tauschen sich zu Themen von weltweiter Bedeutung aus und stellen eigene Innovationen vor. Die Ausstellung ist eine gute Plattform, um die wichtige Problematiken einem breiten Publikum nahe zu bringen. Expo-Gäste lernen in den verschiedenen Pavillons die Perspektiven der einzelnen Länder und ihre Lösungsansätze kennen. Nicht zuletzt können hier persönlich und wirtschaftlich neue Kontakte geknüpft werden und unterstützenswerte Projekte die Möglichkeit erhalten, entdeckt und gefördert zu werden.

Video: Offizielles Werbevideo der Expo Milano 2015.

Und was die Kritik an Partnern und Sponsoren angeht, die bisher nicht durch nachhaltiges Handeln geglänzt haben: Eine Großveranstaltung, die sich thematisch mit der Nachhaltigkeit auseinandersetzt, sollte als Motivation und Ansporn für alle Beteiligten dienen, diese auch umzusetzen. Dies sieht auch Federica Corsi vom Entwicklungshilfe-Verbund Oxfam Italia so. In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur erklärte sie: „Wichtige Akteure des privaten Sektors in die Pflicht zu nehmen, die großen Marken der Nahrungsmittelindustrie, ist entscheidend. Für uns ist es wichtig, vor allem von ihnen einen Wandel zu verlangen.“ Die Hoffnung ist also, McDonald’s, Coca Cola und Co. durch direkte Beteiligung und Dialog zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren und sie so als Multiplikatoren für den Wandelprozess zu gewinnen.

Auch Italien als Gastgeber ist in der Pflicht und versucht, diese zu erfüllen. Schon vor Beginn der Expo wurde auf Initiative der italienischen Regierung die „Charta von Mailand“ erarbeitet, die den nachhaltigen Gebrauch von Ressourcen anmahnt, um eine gesunde Ernährung für künftige Generationen zu sichern. Firmen, Organisationen und Individuen werden dazu ermuntert, die Charta zu unterzeichnen und Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten, sowie den politischen Diskurs voranzutreiben. Man kann die Charta von Mailand als wenig hilfreiche Phrasendrescherei abtun. Man kann sie aber auch als positiven Beitrag zum Diskussionsprozess um das Thema Welternährung begreifen. Die Endfassung der Charta soll im Oktober an UNO-Generalsekretär Ban-Ki Moon übergeben werden und in die UN Milleniumkamapgne einfließen.

Eingang zur EXPO 2015

Eingang zur EXPO 2015: 20 Millionen Besucher werden erwartet. Foto: Expo 2015 / Daniele Mascolo

Expo? Ja, aber …

Die meisten Kritikpunkte an der Expo 2015 sind sicherlich berechtigt. Doch sind viele von ihnen schlichtweg der Größe der Veranstaltung zuzuschreiben. Und genau hier wäre auch der Ansatzpunkt für eine Lösung: Warum nicht einfach ein paar Gänge zurückzuschalten? Warum nicht bestehende Strukturen nutzen, anstatt neue zu schaffen? Warum sich nicht wieder mehr auf die Inhalte konzentrieren anstatt auf deren Präsentation und die Selbstdarstellung?

Es ist an der Zeit, diese Entwicklung einzuleiten. Gerade eine Expo, bei der die Nachhaltigkeit zentrales Thema ist, bietet hierfür eine sehr gute Gelegenheit. Und in Mailand sind gute Ansätze auch durchaus sichtbar – von den im Vergleich zu früheren Jahren weniger pompösen Pavillons, über die Charta bis hin zu vielen positiven Beispielen unter den Ausstellungen. Diese Bemühungen mögen vielen Kritikern noch nicht weit genug reichen, doch sie sind zumindest Schritte in die richtige Richtung.

Wie steht Ihr zur Expo in Mailand und zum Thema Weltausstellung im Allgemeinen? Schreibt Eure Meinung in den Kommentaren.

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About Author

Kam über die Auseinandersetzung mit Peak Oil zu den Themen Ressourcenknappheit, Energiewende und Transition Town Movement. Schreibt sonst für einen Technikverlag über IT-Themen und Mobile Computing.

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