Hier wird jeder zum Macher: Die Makerspaces in Bibliotheken

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Die Stadtbibliothek Köln hat einen und die Sächsische Landesbibliothek in Dresden ebenfalls: Makerspaces, Orte zum Gestalten, Basteln und Experimentieren mithilfe digitaler Geräte. Ein Blick in die Kreativwerkstätten der Gegenwart und auf die Idee der demokratischen Herstellung.

Hinter Makerspaces verbergen sich offene Räume für Menschen, die gestalten möchten, neue Ideen ausprobieren und Do-it-yourself-Projekte realisieren wollen. Makerspace meint zugleich eine besondere Art von Räumen und Raumnutzung. Kooperation, offener Austausch und gegenseitige Inspiration sind die Schlagworte. Dabei steht das eigene Machen mithilfe von 3D-Druckern und anderen Geräten im Vordergrund. Aus Kunststoff entstehen so zum Beispiel Schicht um Schicht dreidimensionale Bauteile oder Modelle: Schrauben, Ersatzteile oder auch Schlüsselanhänger.

Die Werkstatt im  Makerspace der Sächsischen Landesbibliothek. Foto:  SLUB Dresden / Robert Lohse, via Flicker, CC BY-SA 2.0

Die Werkstatt im Makerspace der Sächsischen Landesbibliothek. Foto: SLUB Dresden / Robert Lohse, via Flickr, CC BY-SA 2.0

Kreative Kollaboration in öffentlichen Räumen

In Köln wurde im Jahr 2013 den ersten Makerspace in einer Bibliothek eröffnet, als erste wissenschaftliche Bibliothek folgte dann Anfang 2015 die Sächsische Landesbibliothek mit einem Makerspace. Die Landesbibliothek kooperiert mit der Technischen Universität Sachsen und dem FabLab Dresden. Dort stehen beispielsweise 3D-Drucker und Laser-Cutter bereit. Mit letzteren lassen sich Schablonen erstellen oder Materialien wie Holz, Plastik oder Glas schneiden und gravieren. Antonie Muschalek, Pressesprecherin der Sächsischen Landesbibliothek, beschreibt die Bedeutung des Makerspace für eine Bibliothek: „Wissensaufbau, Wissensstrukturierung und Vermittlung vollziehen sich längst nicht mehr nur papiergebunden und auch nicht mehr nur digital-textuell, sondern auch nicht-textuell: an Objekten, Materialien, Modellen, denn ‚Wissen kommt von Machen.‘ So betrachten wir den Makerspace als Baustein, der uns zukunftsfähig macht und das Bibliotheksbild neu prägt.“

Das Foto zeigt mehrere Frauen, die mit einem Klebeband, Scheren und anderen Materialien im Makerspace der Bibliothek Köln.

Kreativ mit masking tape (Klebeband): im Makerspace der Stadtbibliothek Köln. Foto: Stadtbibliothek Köln.

In der Stadtbibliothek Köln gibt es neben der Möglichkeit, dreidimensional zu drucken, auch Musikinstrumente, Software zum Digitalisieren von Schallplatten oder auch Tablets zum Komponieren. Die Stadtbibliothek Köln fokusiert sich auf das musisch-kreative Moment. „Makerspaces bieten sich hier an, denn sie stellen Schnittstellen zwischen Mensch und Technik/ Medium her – und das ist ja das eigentliche Kerngeschäft von Bibliotheken“, so beschreibt Sebastian Abresch von der Stadtbibliothek Köln die Motivation zur Einrichtung öffentlicher Makerspaces.

Technik und Vermittlung

Technische Geräte allein reichen aber nicht aus – auch die Wissensvermittlung ist in den Makerspaces wichtig. Und da nicht jeder als Maker geboren wird, unterstützen die Bibliotheken interessierte Einsteigerinnen und Einsteiger im Umgang mit Drucker, Cutter oder Scanner. In Köln kann jeder Maker oder jede Makerin samstags von 10 bis 15 Uhr mitgebrachte Vorlagen ausdrucken; und Schüler des Kölner Kaiserin-Augusta-Gymnasiums bieten in einer Kooperation mit der Bibliothek Workshops zu Medien und Apps an. In Dresden sei der Raum beliebt für praxisorientierte Veranstaltungsformate (z.B. Workshops zu 3D-Druck) und für Begegnungen sowie interdisziplinären Austausch, erläutert Antonie Muschalek. Sowohl im rheinischen als auch im sächsischen Makerspace gibt es für Neulinge Kurse und Tutorien und erfahrene Maker vermitteln ihre Kenntnisse weiter – im Sinne des Wissenstransfers von Bürgern zu Bürgern.

Auf dem Foto ist ein Do-it-Yourself-Drucker des Makerspace der SLUB in Dresden zu sehen

Ein Beispiel dafür was im und mit dem Makerspace gemacht wird: ein Do-it-Yourself-Buchscanner. Foto: SLUB Dresden / Robert Lohse, via Flickr, CC BY-SA 2.0

Tüftler und Bastlerinnen, Programmierer und Künstlerinnen – sie alle sind Maker. Die Bewegung selbst stammt aus den USA Anfang der 2000er-Jahre. Häufig steht dabei ein 3D-Drucker im Mittelpunkt, dieses Gerät ist zum Symbol der Maker geworden (ein US-Hersteller von 3D-Druckern nennt sich zum Beispiel „Makerbot“). Wohl auch deshalb, weil der 3D-Drucker  d a s  Werkzeug ist, welches der Idee nach aus jedem Menschen einen Produzenten, einen Maker, macht. In diesem Sinne verstehen sich Makerspaces als die Kreativwerkstätten des 21. Jahrhunderts und sie machen Massenproduktion auch abseits der modernen Industrien möglich.

Makerspace-Produkte: Roboterauge und Duschkopfhalterung

Im Makerspace in Köln sind bereits viele interessante Kreationen entstanden, wie Sebastian Abresch berichtet. Dazu gehören Musik- und Filmprojekte, also auch viel nicht-dingliches Schaffen. „Die spannensten Projekte entstehen am 3D-Drucker. Zahlreiche Erfinderinnen, Designstudierende und Tüftler haben hier schon ihre Träume manifestiert – die kuriosesten sind eine Führungsrolle für die Füße eines Bügelbrett, eine Ersatzhalterung für einen Duschkopf sowie ein Roboterauge, das ein Nutzer wochenlang Stück für Stück bei uns ausgedruckt und dann zusammengesetzt hat.“

Auf dem Foto basteln zwei Männer an Mikrocontrollern.

Teilnehmer eines Arduino-Workshop arbeiten mit Aktoren, Sensoren und Mikrocontrollern im Makerspace Köln. Mit der Arduino-
Software lassen sich einfache Elektronik-Projekte realisieren, zum Beispiel Thermometer. Foto: Stadtbibliothek Köln.

Auch im Makerspace der Dresdener SLUB entstehen Modelle, Prototypen oder Bauwerke. Angesprochen werden auch dort Interessierte und neue Zielgruppen wie Hacker-Communities. Antonie Muschalek erklärt aber auch: „Unsere Zielgruppen sind Studierende und Wissenschaftlerinnen, die sich bevorzugt mit wissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigen. Der Begriff ‚Bastler‘ ist dafür zu klein gedacht.“

Die Maker-Bewegung

Makerspaces und FabLabs sind keine völlig neuen Erscheinungen. An Hochschulen, aber auch in Gemeinden und Städten gibt es sie schon länger, wie zum Beispiel in Hamburg Attraktor seit dem Jahr 2010. Auch die Idee des Kreativraums ist nicht neu. Museen, Schulen oder eben auch Bibliotheken bieten Räume und Möglichkeiten an, wo sich Menschen Wissen aneignen und mit anderen etwas gemeinsam erschaffen. Im besten Sinne sind dies Lernorte, die bereits große Mengen an Informationen gesammelt haben und bereitstellen. Übergänge zwischen Makerspace, FabLab (fabrication laboratory) und Hackerspace sind fließend, es gibt Überschneidungen; wobei letzte stärker Themen wie Netzpolitik, Open Source oder freie Hardware besetzen. Zum Repaircafé finden sich ebenfalls Verbindungen, besonders im Ansatz Ersatzteile zu verwenden und Gegenstände selbst zu warten oder weiterzuentwickeln.

Hinzugekommen sind im neuen Jahrtausend jedoch die digitalen Geräte, ihre Vernetzung und daraus folgend: ein enormer Zuwachs an Anwendungsmöglichkeiten. Und weil diese neuen Hightech-Werkzeuge immer billiger werden, hat sich dieser Trend seit geraumer Zeit von den USA und Nordeuropa aus weltweit verbreitet. Was sich geändert hat: Mit den Bibliotheken haben nun öffentliche Institutionen die Bewegung aufgegriffen und sie lassen so ein breiteres Publikum daran teilhaben. Sebastian Abresch ergänzt: „Das ist das Schöne am Makerspace in einer Bibliothek: Es sind eben nicht nur die „Nerds“ im Haus unterwegs, sondern Menschen zwischen 0 und 88 Jahren.“

Außerdem rücken Messen wie die Make Munich, Maker Fair Hannover oder die Maker World in Friedrichshafen die Maker-Bewegung in einen größeren Maßstab, verschaffen ihr zusätzliche Aufmerksamkeit, machen sie relevanter.

Alternative Herstellung mit Gesellschaftskritik

In der Maker-Bewegung steckt auch eine Portion Gesellschaftskritik: Nicht große Unternehmen geben die Güter vor, vielmehr entscheidet jeder selbst, was er erschaffen, gestalten und erzeugen möchte. Und was er wirklich braucht. Das können Ersatzteile sein, Kunstwerke oder technische Modelle und Prototypen, aber auch Musik, Filme oder auch Nahrung (in einem erweiterten Verständnis gehört ebenfalls klassisches Handwerk dazu wie etwa Bäcker oder Winzer). Auch der Gedanke des Reparierens steht den Makern nahe und zeigt damit Alternativen zu den gängigen Herstellungsprozessen der Industrie auf.

Das offene Angebot, ohne Konsumzwang zu kooperieren und sich auszutauschen, richtet sich an alle Gruppen in der Gesellschaft. Grundlegend ist für die Maker-Bewegung der Gedanke der Vernetzung und des zu teilenden Wissens. Baupläne, Anleitungen und Skizzen – all das soll verfügbar sein, um den interessierten Amateur oder die kleine Forschergruppe zu ermächtigen, selbst tätig zu werden. Wie in Köln oder Dresden. In diesem Sinne: Let’s go, make it.


> Übersicht von Hackerspaces, FabLabs und Makerspaces in Deutschland

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Interessiert sich für Stadtkultur und verfolgt den Wandel in der Arbeits- und Medienwelt. Schaut und spielt gerne Basketball. Arbeitet beim Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Kommunikation.Schreibt bei Medium als @klippklar.

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