Das Umweltprojekt Pollinatorpassajen will Oslo bienenfreundlicher gestalten – mit einer „Bienen-Autobahn“ quer durch die norwegische Hauptstadt. Eine Kette von extra angelegten Dachgärten, Insektenhotels und Grünanlagen soll den fleißigen Honigsammlern einen sicheren Weg durch das Häusermeer bieten. Doch nicht nur um Honig- und Wildbienen geht es – auch Hummeln, Schmetterlinge und andere Bestäuber würden von den Unterschlüpfen profitieren.

An dem Projekt Pollinatorpassajen (zu deutsch: „Bestäuber-Passage“) kann sich jeder beteiligen – von Firmen, über öffentliche Einrichtungen bis hin zu Privatpersonen. Angestoßen wurde die Initiative von der in Oslo ansässigen Stadtimker-Organisation ByBi. Deren Vorsitzende Agnes Lyche Melvaer erläutert der Nachrichtenagentur „AFP“ die Motivation für den Bienen-Korridor: „Wir gestalten die Umwelt ständig nach unseren Bedürfnissen um, vergessen dabei aber, dass auch andere Spezies in ihr leben. Um dass zu korrigieren, müssen wir ihnen Räume zum Leben und für die Ernährung zurückgeben.“ Die Pollinatorpassajen soll genau dies bewerkstelligen und den Insekten so neue Zuflucht gewähren in Zeiten, in denen zahlreiche Wildbienen vom Aussterben bedroht sind und viele Honigbienenvölker an Krankheiten, Parasiten und Pestizide zugrunde gehen.

Auf der Webseite des Projekts kann jeder Teilnehmer Insektenhotels, Bienenkörbe und Dachgärten eintragen. Screenshot: pollinatorpassasjen.no

Auf der Webseite des Projekts kann jeder Teilnehmer Insektenhotels, Bienenkörbe und Dachgärten eintragen. Screenshot: pollinatorpassasjen.no

Dafür informiert die Initiative auf pollinatorpassasjen.no über die Hintergründe und den Wert von Bestäubern für den Menschen. Auch praktische Hinweise gibt es – etwa wie man seinen Garten so bepflanzt, dass er Bienen das ganze Jahr über ein attraktives Blüten-Menü bietet. Und nicht zuletzt animiert die Webseite zum Mitmachen. So kann jedermann seinen Beitrag zum Projekt – sei es ein Insektenhotel oder eine Blumenwiese – in eine interaktiven Karte eintragen.

Die Karte lädt die Bewohner Oslos dazu ein, die Stadt aus Sicht der Bienen, Hummeln und Schmetterlinge zu erkunden. Am Ende, so hofft ByBi, entsteht ein großer blühender Korridor – ein weit verzweigtes Netz von Bienen-Herbergen und Blüten-Restaurants.

Hintergrund: Urban Beekeeping als Trend

Honigbiene auf Lavendel

Als Bestäuber nehmen Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten eine unersetzbare Rolle in der Natur ein. Foto: Manuel Medicus

Die Pollinatorpassajen in Oslo ist nicht der einzige Versuch, den Artenschutz für Insekten voranzutreiben und dem Bienensterben durch bewusst geschaffene, städtische Räume für Bienen entgegenzuwirken. Von New York bis Paris hat die Urban-Beekeeping-Bewegung weltweit viele Unterstützer gefunden und immer mehr Hobbyimker produzieren auch in Großstädten Honig. Hierzulande setzt sich etwa die Initiative Deutschland summt! für die städtischen Lebensräume von Honig- und Wildbienen ein. Sie hat unter anderem in Berlin an prominenten Standorten wie dem Dom oder dem Abgeordnetenhaus Bienenstöcke angelegt und klärt in Veranstaltungen über die Bedeutung der Insekten für die Natur auf.

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Manuel Medicus

Kam über die Auseinandersetzung mit Peak Oil zu den Themen Ressourcenknappheit, Energiewende und Transition Town Movement. Schreibt sonst für einen Technikverlag über IT-Themen und Mobile Computing.

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