RS1: 100 km Radschnellweg quer durchs Ruhrgebiet

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Wer schnell ans Ziel kommen will, fährt in Zukunft mit dem Fahrrad besser. Den überfüllten Straßen und dem dichten Verkehr will das Ruhrgebiet den Radschnellweg Ruhr (RS1) entgegensetzen. Die Region hat die Förderung der Mobilität als eine ihrer zentralen Aufgaben ausgemacht – woraus sich die Idee des 100 Kilometer langen Radwegs durch das Ruhrgebiet entwickelt hat. Der Radschnellweg wäre die erste regional bedeutsame Trasse seiner Art in Deutschland.

Eine Metropolregion wie das Ruhrgebiet hat mehr als genug Bedarf, sich der Verkehrssituation zu widmen. Nicht umsonst haben dort die Einwohner zwischen Duisburg und Essen, Dortmund und Bochum, Gelsenkirchen und Mülheim die A 40 von Ruhrschnellweg in Ruhrschleichweg umgetauft.

Alternativen sind also gerne gesehen. Die neue Fahrrad-Trasse verbindet die Städte zwischen Emscher und Ruhr und nutzt laut Projektplan und Machbarkeitsstudie zu 90 Prozent vorhandene Straßen und Wege. Das hat zwei Vorteile: Erstens berücksichtigen die Planer bestehende Infrastruktur und würden dadurch Kosten für Neubauten sparen. Zweitens ließe sich mit dem RS1 die Chance nutzen, die Umgebung entlang der Trasse aufzuwerten. Denn so wie das Ruhrgebiet höchst unterschiedlich ist, so abwechslungsreich ist auch die Strecke. Sie erstreckt sich zwischen Industrie- und Baudenkmälern, Grüngürteln oder Gärten, aber auch Halden, Gewerbegebieten und Universitätsvierteln.

Bis zu 50.000 Autos weniger auf den Straßen

Hinter dem Vorhaben den Radschnellweg zu bauen, stehen als Projektträger der Regionalverband Ruhr (RVR) als Vertreter der Städte und sechs Fachbüros, welche die Planung verantworten. Die Machbarkeitsstudie der Projektverantwortlichen sieht viele Vorteile, die sich durch den Radweg ergeben würden. Etwa die mögliche Einsparung von 400.000 Kilometern, welche Autos weniger fahren würden. Dies entspräche laut Studie einer Einsparung von etwa 16.600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr (dies entspräche den CO2-Emissionen von 900 Haushalten). „Mit dem Radschnellweg werden täglich bis zu 50.000 Autos weniger die Straßen in der Region belasten“, hofft Martin Tönnes, RVR-Bereichsleiter Planung.

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Collagen: RVR.

Der Ausbau von Radwegen bedeutet aber auch: Radfahren nimmt zu, der größeren Zahl von Rädern als Verkehrsmittel muss also Rechnung getragen werden. Eine Geschwindigkeit von etwa 30 km/h müsste gewährleistet werden und auf dem Radweg sollten zwei Fahrer nebeneinander fahren und von einem dritten überholten werden können. Diese Rahmenbedingungen würden einen stetigen Verkehrsfluss fördern.

Die Machbarkeitsstudie RS1 sieht Investitionen in Höhe von 183,7 Millionen Euro vor, um den Radweg zu realisieren. Nun geht es um die Bewilligung der Fördergelder. Der nächste Schritt: Die Studie empfiehlt, dass der Bund, das Land, die Kommunen und der RVR die Finanzierung erarbeiten – mittels bestehender Fördertöpfe oder noch zu entwickelnder Fördertatbestände.

Europäische Nachbarn als Vorbilder

Neu ist die Idee, den Fahrradverkehr zu fördern, natürlich nicht. Seit Jahren werden Städte mit Radwegen ausgestattet oder diese neu angelegt – mal mit besserer Umsetzung, mal mit nicht ganz so gelungener. Auch nicht neu ist der Ausbau von Radwegen, die mit höherer Geschwindigkeit und von mehr Fahrern benutzt werden können. Nachbarländer wie die Niederlande, Dänemark, England oder Schweden haben aufgezeigt, wie Radfahren den städtischen Verkehr verändern und entlasten kann; in Kombination mit Experimenten mit erneuerbaren Energien (wie in der Gemeinde Krommenie, 25 Kilometer entfernt von Amsterdam) liegt darin ein Potenzial für umweltfreundlichere und gesündere Mobilität ohne Autos.

Die Realisierung des Radschnellwegs Ruhr ist bis zum Jahr 2020 anvisiert. Würde das Projekt umgesetzt, hätte es durchaus Symbolcharakter. Es wäre Werbung für ein grünes und ideenreiches Ruhrgebiet und ein positives Signal für die zukünftige Gestaltung von Stadt und Mobilität.

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Timo Klippstein

Interessiert sich für Stadtkultur und verfolgt den Wandel in der Arbeits- und Medienwelt. Schaut und spielt gerne Basketball. Arbeitet beim Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW in der Kommunikation.Schreibt bei Medium als @klippklar.

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